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Eine weitere Besonderheit unserer
Gemeinschaftspraxis ist die Behandlung
mit Botulinumtoxin A
(Botox), das bei dystonen
Bewegungsstörungen sowie schwerer
Spastik eingesetzt wird.
Botulinumtoxin ist eine giftige und
zugleich therapeutische Substanz, die
unter Luftabschluß von Bakterien
(Clostridium botulinum)
produziert wird.
Es blockiert die neuromuskuläre
Übertragung, so dass der Muskel für
eine bestimmte Zeit erschlafft.
Dazu wird das Toxin in den Muskel
gespritzt und gelangt dann über eine
Verbindungsstelle in den Nerven.
Am Nervenende verhindert
Botulinumtoxin die Freisetzung einer
für alle Bewegungsabläufe notwendigen
Überträgersubstanz
(Acetylcholin).
Es wirkt dabei als Endopeptidase und
zerstört die Membranen der
acetylcholintragenden Vesikel.
Seit Jahren macht man sich dieses
Prinzip therapeutisch zunutze, in dem
man in überaktive Muskeln das Toxin
injiziert und somit eine
vorübergehende Lähmung hervorruft.
Diese Wirkung setzt individuell
verschieden nach ca. 1 bis 2 Wochen
ein und hält ca. 3 bis 4 Monate
an.
Der Organismus setzt nach einer
gewissen Zeit bestimmte Mechanismen am
Nervenende in Gang, die letztendlich
den ursprünglichen Zustand
wiederherstellen. Das Nervenende
regeneriert sich und ermöglicht somit
erneut die Freisetzung von
Acetylcholin.
Dieses hat zur Folge, dass der
entsprechende Muskel wieder aktiv bzw.
überaktiv wird.
Als wesentliche
Nebenwirkungen der
Botulinumtoxintherapie können
vorübergehende Muskellähmungen aufgru
d einer zu hohen Initialdosis
auftreten, die je nach Ort der
Injektion mit Schluckstörungen,
Herabhängen der Augenlidern oder
Doppeltsehen einhergehen.
Diese Nebenwirkungen können auch
durch eine Diffusion des Toxins in
benachbarte Muskelgruppen verstärkt
werden.
Dieses Risiko lässt sich durch
vorsichtiges Aufdosieren, die
Verteilung der Dosis auf mehrere
Injektionsstellen in den einzelnen
Muskeln sowie durch eine Reduktion des
injizierten Volumens vermindern.
Im Allgemeinen wird die Therapie
jedoch gut vertragen, die Patienten
sind mit der Behandlung zumeist
zufrieden und die selten auftretenden
unerwünschten Nebenwirkungen werden
toleriert.
Folgende Krankheitsbilder können
mit Botox gut behandelt
werden:
Blepharospasmus:
Der Blepharospasmus
(Lidkrampf) ist durch
unwillkürliche Verkrampfungen der
Muskuli orbiculares oculi (der
Ringmuskeln, die für den Augenschluss
zuständig sind) gekennzeichnet.
Hierdurch kann es nicht nur zu
kosmetischen Beeinträchtigungen,
sondern auch zu Sehbehinderungen
kommen.
Im Frühstadium der Erkrankung beklagen
die Patienten oftmals ein
Fremdkörpergefühl in den Augen.
Zudem können Lidkrämpfe auf beiden
Augen unterschiedlich ausgeprägt sein
oder sich zunächst durch eine erhöhte
Blinzelfrequenz äußern.
Die meisten der Patienten geben eine
Verschlimmerung der Beschwerden bei
hellem Licht, Luftzug, Lesen,
Autofahren oder psychischen
Belastungssituationen an.
Eine Variante des Blepharospasmus ist
das Meige-Syndrom, bei
dem weitere Muskeln im Bereich der
Gesichts- und Kieferregion betroffen
sind.
Die
Botulinumtoxin-Injektionsbehandlung
gilt als Therapie der ersten Wahl beim
Blepharospasmus.
Die Injektionen werden dabei an
mehreren Injektionsstellen um das Auge
herum vorgenommen, bei einigen
Patienten haben sich auch lidrandnahe
Injektionen bewährt.
Zur Vermeidung von Nebenwirkungen
wird dabei zunächst mit einer
niedrigen Dosis begonnen, in der Folge
wird dann die Dosis der individuellen
Beschwerdesymptomatik angepasst.
Die Wirkdauer einer Botoxtherapie
beim Blepharospasmus beträgt in der
Regel 8 – 14 Wochen.
Als Nebenwirkung der
Botoxtherapie kann eine
vorübergehende Ptosis (ein Herabhängen
des Oberlides) auftreten, die einige
Tage bis wenige Wochen anhalten kann.
Spasmus hemifacialis:
Beim Spasmus
hemifacialis kommt es zu
unwillkürlichen tonisch-klonischen
Verkrampfungen der mimischen
Muskulatur einer Gesichtshälfte, die
zumeist im Bereich des Auges beginnt
und sich dann über die gesamte
Gesichtshälfte ausbreiten. In seltenen
Fällen können auch doppelseitige
Gesichtskrämpfe vorkommen.
Dem Spasmus hemifacialis liegt eine
abnorme Erregbarkeit des N. facialis
zugrunde, als deren Ursache sich bei
manchen Patienten eine Kompression des
Nerven durch eine Arterie im
Hirnstammbereich (Arteria cerebelli
anterior inferior) nachweisen
lässt.
Kann eine solche Kompression des
Nerven durch eine Gefäßschlinge
nachgewiesen werden, ist prinzipiell
eine operative Behandlung
(mikrochirurgische Dekompression nach
Janetta) möglich.
In allen anderen Fällen ist die
subcutane periorbitale Injektion von
Botox die Therapie der Wahl, die bei
ca. 80 – 90 Prozent der Patienten zu
einer Beschwerdebesserung führt.
Das Botulinumtoxin bewirkt dabei eine
Hemmung der Erregungsübertragung vom
N. facialis auf den Musculus
orbicularis oculi und führt somit zu
einer Abnahme bzw. einem Verschwinden
der Spasmen.
Die Injektion muss in ca.
vierteljährlichen Abständen wiederholt
werden.
Mögliche Nebenwirkungen
sind eine Ptosis (Herabhängen des
Oberlides) durch Schwächung des
Musculus levator palpebrae sowie
Doppelbilder durch eine Parese der
äußeren Augenmuskeln.
Diese Nebenwirkungen klingen in der
Regel nach 2 – 3 Wochen wieder ab und
können bei sorgfältiger Wahl der
Injektionsorte und der Dosis zumeist
vermieden werden.
Zervikale Dystonie
Diezervikale Dystonie
ist die häufigste Form fokalen
Dystonie, die auch als
Schiefhals bezeichnet
wird.
Sie tritt bevorzugt im mittleren
Lebensalter auf und betrifft vor allem
Frauen.
Die Krankheit manifestiert sich mir
einer unwillkürlichen Verziehung des
Kopfes. Entsprechend der Richtung der
Kopfwendung spricht man vom
Latero-, Antero- oder
Retrokollis, bei der rein
rotatorischen Form vom
Tortikollis.
Die Bewegungen des Kopfes können
dabei tonisch (konstant), phasisch
(intermittierend) oder tremorartig
(zitternd) sein.
Viele Patienten mit einer zervikalen
Dystonie leiden zudem unter
schmerzhaften Verspannungen im
Nackenbereich, zudem ist die
Beweglichkeit der HWS oft
eingeschränkt.
Mittel der Wahl in der Behandlung der
zervikalen Dystonie ist die
Injektionsbehandlung mit Botox, das in
klinisch (Hypertrophie) und
elektrophysiologisch (unwillkürliche
Aktivität in Ruhe und Kokontraktion
bei der Innervation der Antagonisten)
betroffene Muskeln gespritzt wird.
Die häufigsten Nebenwirkungen der
Botoxtherapie bei der zervikalen
Dystonie sind eine
Kopfhalteschwäche sowie
Schluckstörungen.
Spastik
Die Spastik ist
gekennzeichnet durch eine inadäquate
und überschießende Muskelaktivität,
die auf eine Unterbrechung der
supraspinalen Kontrolle der spinalen
Reflexaktivität beruht.
Eine spastische Muskeltonuserhöhung
findet sich hauptsächlich in den
Muskeln, die der Schwerkraft
entgegenwirken, das heißt den
Armbeugern und den Beinstreckern. Die
spastische Tonuserhöhung von Muskeln
kann eine Reihe von sekundären
Komplikationen und Beeinträchtigungen
zur Folge haben. So kann der
spastische Spitzfuß Stürze verursachen
und der gebeugte spastische Arm ist
zumeist ein großes Hindernis beim An-
und Auskleiden.
Die Spastik kann durch oral
verabreichte Medikamente vermindert
werden, welche die Dehnungsreflexe auf
spinaler Ebene ergänzen (z. B.
Baclofen, Tizanidin, Benzodiazepine)
oder muskelrelaxierend wirken
(Dantrolen).
Besteht eine umschriebene
Muskelspastik, ist eine Behandlung mit
Botulinumtoxin zu erwägen.
Botulinumtoxin blockiert die
neuromuskuläre Übertragung in der
injizierten Muskulatur und dämpft
somit die spastische Muskelaktivität
fokal.
Botulinumtoxin A ist im
Erwachsenenalter in Deutschland nur
zur Behandlung des Handgelenkes nach
Schlafanfall zugelassen. Der Einsatz
bei anderen Indikationen erfolgt im
Rahmen eines Heilversuches.
Ziele der Botulinumtoxinbehandlung
sind in erster Linie die Erleichterung
der Pflege, eine Schmerzlinderung
sowie die Prophylaxe von
Hautinfektionen oder von
Subluxationen, die durch schwere
Gelenkfehlstellung hervorgerufen
werden können. Eine Verbesserung kann
nur selten und nur bei ausreichender
Kraftentwicklung der Antagonisten
erreicht werden.
Botulinumtoxin A wird seit mehr als 10
Jahren zur Behandlung der Spastik
eingesetzt.
Die Wirksamkeit wurde in einer
Vielzahl von klinischen Studien
systematisch untersucht und
belegt.
Placebokontrollierte Studien liegen
für die Adduktorenspastik bei
Multipler Sklerose, die Armspastik
nach Schlaganfall und für den
spastischen Spitzfuß vor.
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